5. Sinfoniekonzert

Märchenerzählungen
  • Igor Strawinsky by Pablo Picasso

ETTORE PRANDI (*1974)

Sinfonie Nr. 3 (UA)

MAX BRUCH (1838–1920)

Konzert für Klarinette, Viola und Orchester e-Moll op. 88

IGOR STRAWINSKY (1892–1971) 

Pétrouchka

 

Wieder einmal bringt das Meininger Staatstheater ein Werk zur Uraufführung! Diesmal ist es die 3. Sinfonie für Mezzosopran, Chor und Orchester des ehemaligen Meininger Studienleiters und Repetitors Ettore Prandi. Die Inspiration zu diesem Werk lieferte Siegfried Lenz‘ Novelle SCHWEIGEMINUTE, in der ein Schüler seine Liaison mit seiner Lehrerin Revue passieren lässt – während der Gedenkfeier für ebendiese Lehrerin, die bei einem Schiffsunglück ums Leben kam. Die Handlung spielt am Meer, einem Ort, zu dem sich auch der in Hamburg lebende Komponist hingezogen fühlt: „Das Meer fasziniert mich, aufgrund seiner Mischung aus Ruhe und Kraft, die wie bei einem Tsunami gnadenlos sein kann.“ Bereits seine 2. Sinfonie „Vineta“ hatte einen Bezug zum Meer, handelt es sich bei ‚Vineta‘ doch um eine verschwundene Insel in der Ostsee; uraufgeführt wurde sie zudem in Stralsund. In der dreisätzigen 3. Sinfonie ist das Meer nicht nur klangmalerisch zu hören, Prandi verwendete zwei Melodien aus zwei nordnorwegischen Volksliedern, die in veränderter Weise in der ganzen Sinfonie vorkommt. Tod und Trauer sind die zentralen Themen des Werks. Der Mittelsatz ist mit Gesang (Mezzosopran und Chor); er drückt die Nähe zur Natur aus und hat gleichzeitig etwas beinahe Rituelles. Die Texte stammen aus Bachs Matthäus-Passion und Actus tragicus sowie aus einem alten englischen Volkslied.

Igor Strawinsky, dessen GESCHICHTE VOM SOLDATEN derzeit in den Kammerspielen zu erleben ist, erlangte mit seinen drei großen für die Ballets russes geschriebenen Balletten Weltruhm. Bevor er sich an das ebenso skandalträchtige wie bedeutsame LE SACRE DU PRINTEMPS machte, komponierte er 1911 sein wohl volkstümlichstes Werk: PÉTROUCHKA, ein Ballett um eine russische Jahrmarktpuppe, die zum Leben erweckt wird. „Beim Komponieren der Musik hatte ich das klare Bild einer plötzlich entfesselten Puppe im Kopf, die durch ihre Kaskaden von diabolischen Arpeggien die Geduld des Orchester überreizt, das ihr seinerseits mit drohenden Fanfaren antwortet. Es ergibt sich ein schrecklicher Krawall, der, auf dem Höhepunkt angekommen, mit dem schmerzhaften und klagenden Erschlaffen der armen Puppe endet. Als ich dieses bizarre Stück beendet hatte, suchte ich stundenlang, am Ufer des Genfer Sees spazierend, den Titel, der in einem einzigen Wort den Charakter meiner Musik und somit dieser Figur ausdrücken würde. Eines Tages sprang ich vor Freude in die Luft. Petruschka! Der ewige unglückliche Held aller Jahrmärkte, aller Länder! Das war gut, ich hatte meinen Titel gefunden!“, beschrieb Strawinsky wie er zu seiner Idee kam.

Max Bruchs selten gespieltes Doppelkonzert op. 88 wurde bei der Uraufführung 1912 nicht nur als „harmlos, weich, unaufregend und zu vornehm in der Zurückhaltung“, sondern sogar als „unmodern“ empfunden. Dabei handelt es sich um ein lebendiges, melodienseliges und opulentes romantisches Konzert, das sich durch seine ungewöhnliche solistische wie auch orchestrale Besetzung auszeichnet. Die Verwandtschaft von Klarinette und Viola in Timbre und Lage betont Bruch im ganzen Werk.

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