30 Jahre Mauerfall

  • Sven Zinkan, Ulrike Walther, KS Hans-Joachim Rodewald, Nora Hickler, Yannick Fischer
    © Sebastian Stolz / filmwild.de
  • Chor des Meininger Staatstheaters
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  • Yannick Fischer, Nora Hickler
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  • Peter Leipold (Klavier), Elif Aytekin, Nora Hickler
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  • Chor des Meininger Staatstheaters
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  • 30 Jahre Mauerfall: Ansgar Haag, Gabriela Gillert, Corinna Jarosch, Tobias Rott
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Am 8. November 1989 protokolliert die Staatssicherheit in Suhl Folgendes über die Großdemonstration am Vorabend in Meiningen: „Während des Marsches gab es angeregte Unterhaltungen, vereinzelt wurde gesungen. Einzelrufer, aber auch Sprechchöre machten ihrem Herzen Luft. Die unterschiedlichsten Forderungen schalten in den Nachthimmel.“ Genau dreißig Jahre später sind die Sätze des Protokolls im Großen Haus des Meininger Staatstheaters zu hören. An einem Abend, der die Umbruchsstimmung und Energie des Herbstes 1989 in Meiningen und im ganzen Land aufgreift.

Dreißig Jahre nach dem Marsch der 20.000 durch Meiningen sind es wieder die Menschen, die das Wort erhalten: die Bürger aus Meiningen und der Umgebung, die kritisch beobachtenden Schriftstellern, die Liedermacher, die Politiker, die Historiker und nicht zuletzt die Schauspieler, die auf der Bühne standen, als ihr Land Geschichte schrieb. Ihre Erinnerungen und Texte hat Gabriela Gillert, die Leiterin der Meininger Bürgerbühne und des Jungen Theaters, unter dem Titel 30 JAHRE MAUERFALL, DEUTSCHLAND ZWISCHEN 1989 UND JETZT verdichtet.

Für den Abend wurde das Parkett des Meininger Staatstheaters einmalig durch einen Steg mittendurch geteilt. Die Menschen hüben wie drüben erlebten ein Programm mit der Sängerin Elif Aytekin, den Schauspielern Yannick Fischer, Nora Hickler, Hans-Joachim Rodewald, Ulrike Walther und Sven Zinkan sowie der Meininger Bürgerbühne und des Opernchors. Videoprojektionen und eingesprochene Zitate wechselten schnell mit Liedern von Gundermann, Texten von Christa Wolf und Auszügen aus Stasi-Protokollen.

Ein ganz besonderer Auftritt kam KS Hans-Joachim Rodewald zu. Er stand im Herbst 1989 als DER ERSTE auf der Meininger Bühne, in einer dramatisierten Fassung von Landolf Scherzers Langzeitreportage über den Ersten Sekretär der SED-Kreisleitung in Bad Salzungen. Dass es mit diesem Stück großen Ärger geben würde, war allen Beteiligten bewusst. Doch die Schauspieler des Ensembles scheuten den Ärger nicht, im Gegenteil, sie hatten sich einem offenen Brief des Deutschen Nationaltheaters Weimar angeschlossen. Hans-Joachim Rodewald las ihn damals nach der Vorstellung dem Meininger Publikum vor und las ihn nun noch einmal. Darin heißt es unter anderem: „Wir fordern den Dialog über das Recht auf Information, das Recht auf selbstständiges Denken und Kreativität, das Recht auf Pluralismus und das Recht auf Widerstand.“

Bei der Schau zurück allein blieb es an diesem Abend nicht. Thema waren auch gesellschaftskritische Diskurse heute aktiver Politiker wie des Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow, der in einem Interview zu Wort kam. Aber auch die Positionen von Künstlern wie Rainald Grebe und Georg Genoux, die in ihren Arbeiten einen erstarkenden Rechtsradikalismus und eine erneute gesellschaftliche Spaltung beschreiben.

Nach großem, langanhaltendem Beifall für die Mitwirkenden machten auch das Publikum Gebrauch von seinem Recht auf Dialog und auf Austausch. Viele Zuschauer blieben nach der Vorstellung, um im Theaterfoyer ins Gespräch zu kommen. Sie erinnerten sich, sie reflektierten – über 1989 und jetzt, über dreißig vergangene Jahre und die Zeiten des Umbruchs damals und heute.

zwischen 1989 und Jetzt

Anlässlich des Mauerfall-Jubiläums lud das Meininger Staatstheater am 8. November 2019 zu einem EXTRA im Großen Haus:

Der Abend suchte fernab aller Vorurteile und Klischees nach einer gesellschaftlichen Bestandsaufnahme des Umbruchs und Nachwende-Deutschlands. Sowohl Interviews und Texte von Meininger Bürger*innen sind in den Abend miteingeflossen als auch Zeitdokumente von Christa Wolf, Gregor Gysi, Alexander Görlach, Bodo Ramelow, Horst Strohbusch, Armin Petras und anderen.

Mitwirkende:
Leitung: Gabriela Gillert
Mitarbeit: Gerda Binder
Chor: Manuel Bethe
Korrepetition: Peter Leipold
Kostüme: Helge Ullmann